Zwei Seiten einer Medaille: Clubhouse

An Clubhouse dürfte wohl bis heute kaum jemand vorbeigekommen sein: Die Audio-App lädt zum Austausch in verschiedenen Talk-Räumen ein. Doch mit dem Hype geht auch zahlreiche Kritik einher. Die App musste sich unter anderem Datenschutz-Vorwürfen stellen. Stiftung Warentest hat sich eingehend mit der Thematik beschäftigt.

clubhouse

Der Eintrittspreis ins begehrte Clubhouse: Persönliche Daten

Die Stiftung Warentest hat den Datenschutz bei Clubhouse genau unter die Lupe genommen. Die App sammelt unter anderem Informationen über:

  • den Standort,
  • den jeweiligen Mobilfunkanbieter,
  • die verbrachte Zeit in Chat-Räumen und welche Räume das sind
  • und die insgesamte Nutzungsdauer von Clubhouse.

Dass ein App-Anbieter an solchen Daten interessiert ist, überrascht nicht. Schließlich gelangt dieser so an wertvolle Informationen, zu denen sich entsprechend Werbung schalten lässt. Die wenigsten Nutzer lesen sich wohl die vollständigen Nutzungsbedingungen und AGBs durch, bevor sie einer App Zugriff auf die entsprechenden Anwendungen gewähren. Clubhouse ist nicht die einzige App, die Interesse an Nutzungsdaten hat und diese auch verwendet. Es ist also genauso wenig überraschend, dass sich die Audio-App großer Beliebtheit erfreut.

Wer eine Einladung aus Clubhouse an seine Freunde schicken möchte, muss der App erlauben, auf das Kontaktbuch zuzugreifen. Die Talk App kann mit der versendeten Einladung auch die Daten der eingeladenen Person erfassen und diese für Marketingzwecke gebrauchen.

Warum ist Clubhouse in puncto Datenschutz problematisch?

clubhouse-datenschutz
Clubhouse: Den Datenschutz-Vorgaben der EU wird die App derzeit nicht gerecht. (Pexels/Adrianna Calvo)

Um die personenbezogenen Daten der EU-Bürger zu schützen, trat am 25. Mai 2018 die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. In diesem Zuge wurden auch weitaus höhere Sanktionen möglich. Vor allem Unternehmen werden hier in die Pflicht genommen, die Regeln der DSGVO umzusetzen, da diese in der Regel ein besonderes Interesse an personenbezogenen Daten haben. Doch die Vorgaben werden nicht immer zur Genüge umgesetzt, wie die Stiftung Warentest bei Clubhouse herausgefunden hat:

  • Ein elementarer Bestandteil der DSGVO ist die Datenschutzerklärung. Diese soll dem Nutzer ermöglichen, ohne Umstände herausfinden zu können, was mit seinen Daten passiert. Eine fehlende Übersetzung kann jedoch als eine solche Hürde ausgelegt werden. Clubhouse bietet aktuell nur eine Datenschutzerklärung auf Englisch an.
  • Es gibt kein Impressum auf der Clubhouse Website. Dieses muss jedoch laut DSGVO auf jeder Seite vorhanden sein.
  • Der App-Anbieter räumt sich zu umfassende Rechte ein.
  • Nutzer werden zudem über ihre Rechte im Unklaren gehalten.

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass ein Bewusstsein über die Datenschutzlücken bei Clubhouse sinnvoll ist. Doch das gilt nicht nur für diese, sondern auch für alle weiteren Applikationen. Zu wissen, was mit seinen Daten geschieht und sich ggf. dagegen entscheiden zu können, ist nie verkehrt.

Freie Meinungsäußerung unerwünscht

Die Regierung der Volksrepublik China hat Clubhouse Anfang Februar 2021 nach kritischen Diskussionen gesperrt, wie die tagesschau berichtet. Themen waren unter anderem die Demokratiebewegung in Honkong und die Unterdrückung von muslimischen Uiguren. Letztere werden seit 2017 in China systematisch in Internierungslager überführt , um von “terroristischen Gedanken” befreit zu werden, wie der SPIEGEL schreibt. Bei Clubhouse haben sich Uiguren, die in China als eine Minderheit gelten, offen mit Han-Chinesen ausgetauscht, welche den größten Anteil der chinesischen Bevölkerung stellen. Doch die Einladungen, die notwendig sind, um in die Chat-Räume einzutreten, sind seit Kurzem nicht mehr empfangbar. Die Talk App sei nach Angaben der chinesischen Volkszeitung “kein Zufluchtsort für freie Meinungsäußerung”.

In China sind die bekannten sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter nicht verfügbar. Selbst Google und alle dazugehörigen Dienste können dort nicht genutzt werden. Zudem stellt WeChat die (unfreiwillige) Alternative zu WhatsApp dar, die heute nicht mehr nur ein Messenger-Dienst, sondern u. a. auch digitale Geldbörse ist. Die chinesische Regierung hat jederzeit Zugriff auf alle Daten (Wirtschaftswoche).

Clubhouse bietet zahlreiche Chancen

Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Cubhouse sehr schnell sehr weit verbreitet war. Und der Erfolg ist nicht unbegründet. Wie am Beispiel der Uiguren, die sich mit Han-Chinesen austauschen, erkennbar wird, bietet die App zahlreiche Chancen:

  • Ein Austausch mit Menschen wird möglich, denen die User im Alltag womöglich nie begegnet wären.
  • Dadurch werden Horizonte erweitert und neue Perspektiven eröffnet.
  • Es findet eine schnelle Vernetzung unter den Zuhörern und Rednern statt, die oft über den Talk hinausgeht (bspw. über LinkedIn).
  • So ergeben sich neue Bekanntschaften, Business-Kontakte oder sogar Freundschaften, die wiederum neue Möglichkeiten bedeuten können.
  • Durch die App erfahren die Nutzer automatisch mehr zu Themen, die sie interessieren und können den Talk zum jeweiligen Thema im Hintergrund wie einen Podcast laufen lassen.
  • Bei den Gesprächen handelt es sich nicht um Aufnahmen, sondern um Live-Diskussionen. Die Inhalte sind also ungefiltert und ungeschnitten. Dies verleitet Redner unter Umständen dazu, offener zu sprechen, da die Aufnahmen zudem nicht gespeichert werden.
  • Zuhörer erhalten tiefe Einblicke hinter die Kulissen, die sie im Rahmen anderer Formate in dieser Form eventuell nicht erhalten hätten.
  • Auch bekannte Persönlichkeiten wie Elon Musik nutzen die App, wodurch interessante Hintergrundinformationen verfügbar werden.

Twitter stellt Clubhouse-Alternative “Spaces” vor

Twitter testet derzeit mit einigen Tausend Usern ein Konkurrenzprodukt zu Clubhouse. “Spaces” ist laut SPIEGEL aktuell lediglich auf der Twitter-App von iPhone-Nutzern verfügbar. Im Gegensatz zur bereits etablierten Drop in Audio-App soll es bei Spaces keine Begrenzung bei der Anzahl der Zuhörer geben. Zudem ist eine Clipping-Funktion im Gespräch, die es ermöglichen soll, Teile der Gespräche aufnehmen und teilen zu können. Auch Facebook soll bereits an einer eigenen Variante der Talk App arbeiten.

NEXT Talk mit Feelbelt

Jeden Mittwoch um 20.30 Uhr sprechen wir unter dem Motto NEXT TALK über diverse Themen. Sei dabei und tritt in den Austausch mit dem Feelbelt Team und spannenden Gästen. Folge dazu unserem Geschäftsführer Benjamin Heese bei Clubhouse.